Timo Werner ist ein Hurensohn? Definitiv nicht – sachliche Diskussion über Red Bull Leipzig und Timo Werner müssen sein, aber keine Beleidigungen.

Timo Werner? Definitiv kein Hurensohn.

Ich kann es nicht mehr hören

Timo Werner ist ein Hurensohn? Definitiv nicht – sachliche Diskussionen über RB Leipzig und Timo Werner müssen sein, aber Beleidigungen haben im Fußball nichts verloren.

An diesem Wochenende war die Jazz-Rally in Düsseldorf. Auch wenn ich kein ausgewiesener Jazz-Fan bin, habe ich mir ein Konzert auf dem Marktplatz angehört und war anschließend noch auf der Bolkerstraße etwas essen. Auf der Bolkerstraße ist das Geburtshaus von Heinrich Heine, sie hat also für Düsseldorf eine herausragende Bedeutung – in der Gegenwart aber ehr dadurch, dass sich auf knapp 300 Meter mehr als 50 Kneipen und Gastronomien befinden. Die längste Theke der Welt. An Wochenenden trifft man dort gebündelt auf Junggesellenabschiede und Mannschaftsfahrten.

Der Fußball ist in der Sommerpause. Trotzdem hört man dort in regelmäßigen Abständen die Sprechchöre, in die gefühlt sofort mehr als 50 Leute unmittelbar einsteigen: Timo Werner ist ein Hurensohn. Alternativ ist auch manchmal Mario Gómez ein Hurensohn, aber die Abstammung scheint hier weniger belegt, hört man diesen Ausruf doch deutlich seltener.

Was ist ein Huasn?

Die Beleidigung Hurensohn hat eine gewisse Historie. Schon 1710 findet sich der Ausdruck in der Oper Croesus von Reinhard Keiser, auch Friedrich Schiller schrieb schon 1783: Heraus, Hassan! Hurensohn der Hölle! Hassan! Hassan!. Es war schon damals ein etabliertes Schimpfwort. Gemeint waren nicht nur Kinder von Prostituierten, auch außereheliche Kinder wurden so bezeichnet (quasi als Ergebnis vom Rumhuren) . Damals hatte die Kirche und die Ehe noch eine weitaus größere Bedeutung.

Der Ausdruck wird ehr als härtere Beleidigung gesehen. Der Gesetzgeber sieht für solche Beschimpfungen laut § 185 StGB eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe vor.

Timo Werner

Offensichtlich wird Timo Werner also von vielen nicht gemocht. Der Mann ist Fußballspieler, er ist bei dem Verein RB Leipzig unter Vertrag. Die Sprechchöre beziehen sich auf eine Szene aus einem Spiel Ende 2016 gegen den FC Schalke 04. Herr Werner provozierte durch eine Schwalbe einen Elfmeter, Leipzig gewann 2:1.

Es ist wohl eine Mischung aus zwei Dingen: Zum einen ist es die oben beschriebene Situation, mit der er in Missgunst fiel, zum anderen ist es wohl auch sein Arbeitgeber. Der RB Leipzig macht in den Augen vieler Personen den traditionellen Fußball durch Kommerzialisierung in Form ihres Hauptsponsors Red Bull kaputt.

Das sind keine Fußballfans

Bei einer Sache bin ich mir sicher: Diese Menschen, die gegen Werner hetzen, sind keine Fußballfans. Auch wenn es aus einer Bierlaune heraus ist, das hat nichts mit einer objektiven Auseinandersetzung mit der Person oder dem Sport zu tun. Es ist einfach nur eine schwere Beleidigung. Noch dazu schützen sich diese Personen in der Anonymität der Masse.

Ja, Timo hat mit der Schwalbe einen Fehler gemacht. Auch sein Verhalten im Zusammenhang mit dieser Szene war nicht ideal, er hat auch noch ein paar weitere strittige Szenen zu verantworten. Aber: Der Mann ist auf Platz 4 der Torschützenliste. Er ist unbestritten ein riesiges Talent und eine Bereicherung für den Fußball. Nicht zu unrecht ist er deshalb auch Nationalspieler. Wenn wir jedem, der schon einmal eine strittige Szene hatte, so behandeln würden, dann wären wohl auch der Großteil seine Nationalmannschafts-Kollegen Hurensöhne.

Und sein Verein? Der RB Leipzig ist durch seine Beteiligung durch Red Bull in der Kritik, und ich kann das auch ein Stück weit nachvollziehen. Aber dagegen stehen auch eine große Aufwertung der Fußballkultur in den neuen Bundesländern und ein endlich wieder spannenderer Konkurrenzkampf um den Titel gegen den FC Bayern München.

Bayer Leverkusen wird fast ausschließlich von der Bayer AG finanziert. Zu diesem Konzern gehört seit kurzem auch Monsanto – eine Firma, die unter anderem wegen gesundheitsgefährdendem Gen-Mais massiv in der Kritik steht. Auch Volkswagen, der Hauptsponsor des VfL Wolfsburg hat seine Kunden durch Abgasmanipulation an Dieselfahrzeugen bewusst getäuscht. Aber das ist für diese „Fans“ offensichtlich kein Problem – Chicharito ist kein Hurensohn.

Kritik ist ok – aber sachlich

Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Fan von RB oder Werner. Es muss eine sachliche Diskussion über RB Leipzig und Timo Werner geben, und natürlich muss nicht jeder diese beiden lieben. Es gibt berechtigte Kritikpunkte, über die man debattieren kann. Aber diese stumpfen Beleidigungen? Ich kann es einfach nicht mehr hören.

Dieser Artikel ist auch auf Medium erschienen

2 thoughts on “Timo Werner? Definitiv kein Hurensohn.

  1. Winnie

    Ich kann es auch nicht mehr hören…! Es ist beleidigend, es nervt u. es ist eine ungleiche Bewertung zu all den anderen Schwalbenkönigen ! Vielleicht ist es doch eine durch die Medien, künstlich erzeugte Massen-Hysterie gegen RB-LEIPZIG .
    Und es passte damals warscheinlich, doch der Presse ins Konzept, da RBL bis zu der Schwalbe „zu positiv“ im Rampenlicht der BL stand. Was der „einfache Fan“ dankend aufgenommen hatte u. aus meiner Sicht, seine Auswirkungen in Dortmund u.a. zu sehen waren. Die Intelligenz in Presse sollte sich ihrer Verantwortung bewusster sein !

    Reply
  2. Erik Janssen

    Ich würde mir für die Hurensohn-Schreihälse eine lebenslanges, weltweites Stadionverbot wünschen.
    Und der Witz ist ja, dass auch Vereine wie Bayern München oder Dortmund mindestens eben so abhängig sind von Sponsoren wie RB. Bei Bayern sind es vor allemTelekom, Audi und Adidas. Beim BVB Evonik, Opel und diverse andere.
    In der englischen Liga ist es noch schlimmer.
    Und wer sich die Leipziger Fans mal aus der Nähe anschaut, sieht, dass das keine verblödeten Brause-Trinker sind, sondern eben echte, leidenschaftliche Fans

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.