Die Cloud ist inzwischen zu einem Buzzword geworden. Was steckt aber wirklich hinter der Cloud, und verdienen die angebotenen Dienste den Namen?

There is no cloud

it is just someone else’s computer

Vor ein paar Tagen bin ich über diesen Spruch in den sozialen Netzwerken gestoßen. Er offenbart einen weitverbreiteten Irrtum über Datensicherheit und die Bedeutung des Begriffs Cloud.

Was ist das Urverständnis des Begriffs Cloud als Speicherort? Die Daten werden in die Cloud geladen, und befinden sich dann an einem (irgendwie imaginären) Ort zwischen dem Hier und Jetzt und den unendlichen Weiten des Kosmos. Oft anschaulich visualisiert mit einer Wolke, in der Dateien oder Elemente in loser Formation herumschweben.

Vor vielen Jahren waren Peer-to-Peer Netzwerke sehr in Mode. Über verschiedene Clients konnte man sich mit einem Netzwerk aus Tausenden Computern weltweit verbinden und so nach – oft illegalen – Dateien suchen. Die Datei wurde dabei nicht nur von einer Quelle aus heruntergeladen, sondern von allen verfügbaren Quellen gleichzeitig. Das System funktioniert natürlich nur, wenn man auch selber Dateien zum Download anbietet. Der berühmteste Vertreter dieser Art war der Dienst Napster.

Das war – wenn man so will – der eigentliche Urvater der heutigen Clouds. Die Dateien sind vor Datenverlust geschützt, da viele Rechner auf der ganzen Welt die Daten speichern. Gleichzeitig garantiert man maximale Verfügbarkeit, da die Daten im Internet liegen und quasi immer Server online sind, die die Dateien seeden können. Es ist nicht zwingend erforderlich, dass alle Rechner denselben Datenbestand haben, bei Napster war das sogar quasi unmöglich.

Es gibt auch heute noch Clouds, die genau so funktionieren. So sind zum Beispiel die Daten aller Bitcoins in einer Blockchain gespeichert, die in der Cloud über Millionen Rechner synchronisiert sind. Ebenso stellt das TOR-Netzwerk Verbindungen über beliebige Rechner in einem cloudähnlichen System dar. Ein Ausfall von Teilen dieser Cloud beeinträchtigt die Funktion nicht, durch die Masse der Teilnehmer entsteht so eine Anonymität.

Daneben gibt es noch viele Anbieter, die Nutzern Cloud-Speicher oder Cloud-Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Diese Dienste (Apple iCloud, Dropbox, Google Drive, Microsoft OneDrive etc.) verdienen meiner Ansicht nach den Begriff Cloud nicht – ist doch die einzige Gemeinsamkeit mit dem eigentlichen Verständnis die, dass die Daten dem Nutzer über das Internet zur Verfügung gestellt werden. Die Server selber sind in Besitz eines Unternehmens, das macht es vor allem in puncto Datenschutz bedenklich.

Für den durchschnittlichen User, der nicht an NSA-Schizophrenie leidet, mag es egal sein, ob seine Urlaubsbilder oder seine Familienkalender bei einem großen US-Konzern liegen. Spätestens aber, wenn es um Daten von Unternehmen geht, sollte man sehr vorsichtig sein. Will man in der momentanen politischen Situation seine vertraulichen Firmendaten in die Hände eines US-Konzerns legen? Einige der Anbieter garantieren zumindest einen Serverstandort in der EU (und somit unterliegen sie auch dem EU-Datenschutzgesetzen). Das sollte der Mindestanspruch sein.

Oft wird der Begriff Cloud viel zu inflationär verwendet. So wären auch Email-Dienste wie GMX Cloudlösungen – entsprechen sie doch denselben Rahmenbedingungen wie die der bekannten Cloud-Speicherlösungen. Die Wahrheit ist aber: Es sind lediglich Services, die von Großkonzernen über das Internet angeboten werden. Nicht mehr und nicht weniger.

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