Der Journalismus hat ein Problem – die Wahrheit und die Wertschätzung

Der Journalismus hat ein Problem

Es gibt keine Wahrheit

Die Medienhäuser haben schon bessere Zeiten erlebt. Zurückgehender Absatz der Print-Auflagen setzt ihnen zu, der Umsatz kann mehr schlecht als recht ins Internet transferiert werden. Andauernde Auseinandersetzungen der Verlagshäuser mit der VG Wort tragen ihr übriges dazu bei.

Die Probleme liegen tiefer. Zum einen hat, wohl auch durch die öffentlich-rechtlichen Sender, eine Entwertung der journalistischen Leistung stattgefunden. Wir sind nicht bereit für Nachrichten Geld auszugeben, finden wir doch alles kostenlos im Internet oder TV. Dass auch diese Angebote bezahlt werden müssen, sehen die meisten Personen nicht ein.
Zum anderen hat der Journalismus ein Problem mit der Glaubwürdigkeit. Aus den rechten Lagern wird man immer wieder als Lügenpresse tituliert, aber auch in der Gesamtbevölkerung kämpft man mit abnehmender Glaubwürdigkeit.

Falsche Erwartungshaltung an die Presse

Meiner Meinung muss ein Umdenken der Bevölkerung erfolgen. Wir dürfen die Nachrichten nicht als realen Spiegel des Weltgeschehens sehen und dann mangelnde Objektivität vorwerfen, wenn wir dann mal enttäuscht werden. Vielmehr ist es so:

Es gibt keine Wahrheit

Politik und gesellschaftliche Konflikte sind sehr komplex. Jahrzehntelange Verhandlungen mit historischer Vorgeschichte zwischen zig Parteien, die komplizierte wirtschaftliche und politische Beziehungen untereinander haben. Wer hier in Kategorien wie wahr oder falsch denkt, begeht einen großen Fehler. Es gibt unbegrenzt viele Blickwinkel auf ein Geschehen. Keine dieser Blickwinkel ist die einzige Wahrheit, sie stellen einfach nur einen anderen Standpunkt dar.

Journalismus versucht nun, eine möglichst gesellschaftskonform neutrale Ansicht in ihren Publikationen einzuhalten – ist aber schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die Verantwortung liegt bei uns Lesern. Wir müssen uns als mündige Bürger unseren eigenen Standpunkt schaffen. Die Zeitung unsere Wahl stellt uns einen Blickwinkel zur Verfügung. Diesen sollten wir nicht adaptieren, sondern kritisch hinterfragen und überdenken, denn: Die objektive, neutrale Wahrheit werden wir nie lesen – es gibt sie nicht.

Spagat der Medienhäuser

Die Presse steht dabei in einem schwierigen Konflikt. Sie erstellt ihre Berichterstattung auf Basis unserer gesellschaftlichen Normen. Diese Basis ist sehr breit, und damit auch größtmöglich neutral. Das entspricht dem Pressekodex und dem Rundfunkstaatsvertrag, aber besser verkaufen lassen sich nun mal sensationelle Schlagzeilen und reißerische Headlines.

Was bleibt uns also übrig?

Journalismus kostet. Wir in Deutschland können stolz auf unsere Pressefreiheit sein. Wenn aber der Wert der Presse nicht in unseren Köpfen ankommt, ist diese Freiheit langfristig gefährdet. Jeder hat seine favorisierte News-Website – investieren Sie die paar Euro für den Weg auf die andere Seite der Paywall. Oder schalten Sie für den Anfang Ihren Adblocker ab, denn durch die Werbeeinnahmen der Anzeigen werden die Nachrichten finanziert, die Sie gerade kostenfrei lesen können.

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