Das Bewertungsportal Jameda – Crowdsourcing bei Ärzten und Krankenhäusern

Das Bewertungsportal Jameda

Crowdsourcing funktioniert nicht überall

Kennen Sie das Portal www.jameda.de? Das Prinzip ist einfach: Nahezu alle Ärzte sind aufgeführt, Patienten können diese Ärzte bewerten und Schulnoten vergeben. Heraus kommt eine Gesamtnote, so kann sich jeder den „besten Arzt“ in seiner Region aussuchen.

Eines vorweg: Das System funktioniert nicht.

Was bei Restaurants und Hotels gut funktioniert, scheitert aber zum Glück im Medizinbereich kläglich. Dazu muss man aber ein wenig tiefer in das System dieser Website einsteigen.

Alle Ärzte sind bei Jameda gelistet – wirklich alle. Es gab ein Urteil vor einigen Jahren, eine Ärztin hatte gegen die (unfreiwillige) Aufnahme in die Website geklagt. Sie hat verloren. Das Gericht begründete die Entscheidung mit den Daten, die Jameda verwendet: Diese sind alle frei verfügbar, etwas in Branchenbüchern oder Praxiswebsites, deshalb darf Jameda diese Daten auch zum Aufbau Ihres eigenen Ärzteregisters nutzen.

Der Basisaccount hat nur eben diese spärlichen Informationen. Man kann natürlich noch Dinge wie Fotos, Öffnungszeiten, Website, Kontaktmöglichkeiten, etc. mit aufnehmen, aber das kostet. So verdient Jameda Geld.

Bewertungen können offiziell von jedem Mediziner beanstandet werden, egal ob Premium-User oder nicht. Meine Erfahrungen: Mit einem bezahlten Account funktioniert die Löschung ungewollter Kommentare zu 95%, dazu muss man nur eine kurze Begründung liefern (die sich in vielen Fällen findet).

Menschliche Gesundheit ist komplexer als der Italiener um die Ecke.

Sicher sind die verwendeten Methoden vor allem moralisch fragwürdig. Viele Menschen vergessen aber zusätzlich: Eine medizinische Behandlung ist komplizierter als das italienische Restaurant, dem ich auf Yelp 5 Sterne gebe:

  • Behandlungen können schmerzhaft, aber trotzdem (oder gerade deshalb) wirksam sein
  • Eine Besserung tritt oft nicht unmittelbar bei dem Termin ein, sondern einige Zeit danach, wohl aber wegen der Behandlung
  • Ein Laie trifft auf einen Fachmann. Die Entscheidungen sind für den Patienten manchmal nicht nachvollziehbar oder unverständlich
  • Unser Gesundheitssystem: Privatpatienten werden nun mal bevorzugt, das ist aber nicht die Schuld der Ärzte, sondern die des Gesundheitssystems. Die Ärzte kriegen oft nur die Schelte für die ungleiche Behandlung.
  • Ärzte sind keine Götter: Manche Dinge sind einfach nicht heilbar, oder brauchen seine Zeit.
  • Ärzte und deren Mitarbeiter sind auch Menschen: Eine Arzthelferin am Empfang darf auch mal schlecht gelaunt sein.

Viele negative Bewertungen werden außerdem unmittelbar nach dem Besuch mit einer guten Portion Subjektivität geschrieben.

Fazit

Lesen Sie sich die Bewertungen ruhig durch, aber vertrauen Sie nicht auf Jameda. Sammeln Sie sich Ihr Wissen aus mehr Quellen, etwa auch von der Praxiswebsite oder Empfehlungen von Freunden. So gelingt es Ihnen, die geschriebenen Bewertungen richtig einzuordnen.

Es geht nicht darum, ob die Ferienwohnung einen Pool hat, sondern um Ihre Gesundheit. Die sollten wir nicht alleine in die Hände der Burda Digital GmbH legen, zu der Jameda seit 2016 gehört. Diese Firma betreibt Jameda nicht nur um Ihnen zu helfen, sondern in erster Linie um Geld zu verdienen.

Dieser Artikel ist auch auf Medium erschienen.

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