Sind Tinder Beziehungen genauso gut wie normale Beziehungen?

Tinder statt Kinder

Gesellschaftstheoretische Auseinandersetzung mit Tinder

Sind Tinder-Beziehungen nicht so gut wie klassische Beziehungen? In meinem direkten Umfeld kommt mir das so vor. Und es ist auch eigentlich nicht verwunderlich.

Tinder (dt. Zunder) ist eine kommerzielle mobile Dating-App, die das Ziel hat, ihren Benutzern das Kennenlernen von Menschen in der näheren Umgebung zu erleichtern. Sie wird zur Anbahnung von Flirts oder zum Knüpfen von Bekanntschaften verwendet [^1].

Im Praktischen sieht das dann so aus: Man legt ein Profil an, bekommt dann Vorschläge von potentiellen Partnern. Man kann sich nach dem Daumen-hoch oder Daumen-runter Prinzip positiv oder negativ äußern. Wenn sich zwei Personen gegenseitig positiv bewerten kommt es zu einem Match und der Kontakt wird aufgebaut. Tinder hat in Deutschland inzwischen schon zwei Millionen User [^2] und einen Frauenanteil von über 35% [^3].

In den Medien wird die App oft als Fick-App tituliert, es gehe bei den Usern nicht um Beziehungen, sondern um schnellen Geschlechtsverkehr. Das ist nichts Verwerfliches und soll hier auch gar nicht weiter behandelt werden.
Einige Benutzer sind aber auf der Suche nach Beziehungen, und genau um diese Beziehungen soll es hier gehen. Oft kann sich eine rein körperliche Beziehung ja auch zu einer Festen entwickeln.

These: Über Tinder findet man nicht so zufrieden stellende Partner wie auf konservativem Weg

Ich selber habe Tinder noch nicht ausprobiert, und das hat auch einen guten Grund. Ich kann Menschen auf normalem Wege kennen lernen. So wie man es früher gemacht hat: Bei der Arbeit, beim Hobby oder Sport, in der Kneipe oder einfach im Alltag. Also warum anmelden?

Der Fleisch-Vergleich

Wenn man ein richtig gutes Stück Fleisch haben will, dann muss man in den Wald gehen und es selber jagen. Gesicherte Herkunft, geringer Fettanteil, muskulös – ein Tier mit Charakter.

Man kann natürlich auch einfach zum Discounter gehen, und das Kilo Fleisch für unter 4 Euro kaufen. Ist dann Scheisse, aber billig: Vollgepumpt mit Medikamenten, hoher Fettanteil, wenig Geschmack, das Tier ist von der Massentierhaltung psychisch gestört. Aber es ist einfach zu bekommen, nicht so aufwändig wie jagen. Hundertprozentige Erfolgschance, auch für den untalentiertesten Jäger.

Ähnlich ist es bei Tinder. Die Discount-Variante ist verfügbar, jeder bekommt sein Fleisch. Aber das ist halt auch Fett, kaum Muskeln, kein Geschmack und ein bisschen psycho. Die richtigen Leckerbissen muss man sich schon selber schiessen.

Logisch, denn wer mit einem bisschen eigenem Selbstbewusstsein als begehrenswert gilt (sei es aufgrund von körperlicher oder charakterlicher Faktoren) wird nicht freiwillig auf die „Reste-Rampe“ zurückgreifen.

Nicht zuletzt bildet Tinder auch nur ein Teil der Zielgruppe ab. Es gibt immer noch Menschen, die es nicht so mit neuen Technologien und Apps haben, die Partnerbörsen generell ablehnen, oder einfach was besseres zu tun haben, als verbissen und verzweifelt nach einem Partner zu suchen.
Leute in Beziehungen findet man da auch nicht. Es soll ja auch schonmal vorgekommen sein, das sich Menschen „verlieben“, obwohl mindestens ein Partner in einer festen (vielleicht unglücklichen) Beziehung ist.
Mit der Benutzung der App schränkt man sein Jagdrevier automatisch ein.

Fazit

Ausnahmen bestätigen die Regel, ausserdem sind statistische Daten hierzu naturgemäß schwer zu erheben. Am Ende kann es trotz aller Theorie ja trotzdem passen: Wenn der eine Psycho den Anderen findet ist ja wieder alles gut.

Dieser Artikel ist auch auf Medium erschienen

1: https://de.wikipedia.org/wiki/Tinder
2: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/tinder-dating-app-hat-zwei-millionen-nutzer-in-deutschland-a-1015930.html
3: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/488516/umfrage/geschlechterverteilung-bei-den-tinder-nutzern-weltweit/

 

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