Warum gucken wir so gerne Serien – ein Erklärungsversuch

Das Gesetz der Serie

Warum uns Serien so faszinieren

Meine Freundin hat sich ein Auto gekauft. Das war gebraucht und schon etwas älter, weshalb nur ein Kassetten-Radio eingebaut war. Andere Leute hätten wahrscheinlich ein gebrauchtes CD-Radio für 50 Euro gekauft, aber irgendwie ist man ja mit Kassetten aufgewachsen und ausserdem auch etwas nostalgisch. Wir gingen also zum Trödelmarkt und kauften uns ein paar Hörspiele auf Kassette.

Ich habe als Kind viele Hörspiele gehört, TKKG war meine Reihe. Ähnlich wie eine Religion oder Parteizugehörigkeit konnte man sich dem Fünf Freunde, Drei Fragezeichen oder TKKG-Lager anschliessen. Dabei ging es aber wohl mehr darum, mit welcher Serie man angefangen hat, als wirkliche Kritikpunkte an Inhalt oder Erzählstil. Ich muss eingestehen, das ich als Kind noch nicht mal eine Folge der anderen Reihen gehört habe – sondern einfach Folge 1 von TKKG geschenkt bekommen habe. Ich kann also nur von Tarzan, Karl, Klößen und Gabi reden.

Wenn man sich jetzt so die eine oder andere Kassette noch einmal anhört fällt einem auf, dass das alles schon ganz schön stereotyp war. Klassische Rollenbilder (Gabi als Frau darf oft nicht mit, weil es zu gefährlich ist) oder ein latenter Hang zum Rassismus (Täter haben auffallend oft ausländische Namen oder Akzente) prägen die Handlungen, außerdem ist es doch recht unrealistisch, das vier Jugendliche etliche Kriminalfälle immer weit vor der Polizei lösen – 100% Erfolgsquote.

Aber darum ging es ja auch nicht wirklich, gelegentliches Scheitern liefert halt keine gute Grundlage für einen Krimi. Der Cowboy mit dem weißen Hut gewinnt am Ende gegen den Bösen mit dem schwarzem Hut. Sowieso akzeptiert man in einer Serie ja die Naturgesetze, die die Rahmengegebenheiten mitbringen: Bei den Tannners lebt halt ein Ausserirdischer, und Harry Potter kann nun mal zaubern. Wer das infrage stellt, brauch gar nicht erst mit dem lesen, gucken oder hören eines Hörspiels oder Serie zu beginnen.

Was finden wir also so faszinierend an Serien?

Eins haben alle Serien gemein:
Es ist ein kleiner Kosmos, in dem die Handlung abläuft. Einzelne Episoden sind in der Regel in sich weitgehend abgeschlossen, man kann ohne Probleme in eine Folge einsteigen und versteht die Handlung wieder recht schnell.

Das eigene Leben ist oft recht undurchsichtig. Man ist unzufrieden, Dinge laufen nicht so wie gewünscht – so in etwa trifft das ja auf jede Person hin und wieder zu. Gerade dann bieten Serien eine Welt, in der noch alles in Ordnung ist. Die bekannten Stereotypen verhalten sich wie erwartet, man kann die Handlung ohne Probleme überblicken. Auch mit wenig Zeit, 30 Minuten „heile Welt“ kann man oft dazwischen schieben. Seichte Unterhaltung als Therapie für die Seele.

Denn seien wir ehrlich: Serien begleiten uns durch das ganze Leben. Als Kinder hören wir eben Hörspiele oder gucken Comic-Serien, als Teenager suchten wir nach Hollywood-TV-Serien. Mit zunehmenden Alter stranden wir dann irgendwann bei Der Bergdoktor oder der Lindenstraße.

Ich kann das für mich nur bestätigen. Auch wenn ich kein Fan der aktuellen, gehypten Serien bin freue ich mich eine altbekannte Serie, wie TKKG oder Eine schrecklich nette Familie zu geniessen – sei es zum abschalten kann oder aus nostalgischen Gründen.

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