Über den Sinn und Unsinn der neusten Socialmedia-Kanäle wie Snapchat für die Kommunikation von Unternehmen

„Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nu kopieren müssen?“

Über den Sinn und Unsinn der neusten Socialmedia-Kanäle für die Kommunikation von Unternehmen

Was wird das nächste aufstrebende Netzwerk, ja hat vielleicht sogar das Potential zum Facebook-Nachfolger? Ist Instagram schon wieder out und wir sollten uns auf Snapchat fokussieren?

Es ist nichts neues, das Sozialmedia-Netzwerke wie Pilze aus dem Boden schiessen. Die wenigsten setzen sich am Ende durch. Ein Beispiel:
Alleine im Bereich der Messenger gibt es 35 bekanntere Dienste[^1], von denen sich letztlich WhatsApp und der Facebook Messenger etabliert haben[^2]. Die Zahl der kleineren Projekte ist weit höher.

Als KPI für die Vorhersage der nächsten aufstrebenden Netzwerke wird oft die Akzeptanz in der Zielgruppe bis 18 Jahre herangezogen[^3]. Offensichtlich ist diese Gruppe durch ihre Offenheit für Neues wie auch ihre Technikaffinität als Innovatoren anzusehen. Nicht zuletzt ist es natürlich wichtig die Kommunikation über ein Netzwerk laufen zu lassen, in dem nicht „die ganzen alten Säcke“ (Eltern, Lehrer…) abhängen.

Ich erinnere mich, vor vielen Jahren war man bei StudiVZ, bzw. später dann MeinVZ. Damals zählte ich fast selber noch zu der oben angesprochene Zielgruppe. Später dann wechselte ich zu Facebook, auf dem ich dann als mein „Haupt-Netzwerk“ irgendwie bis heute hängen geblieben bin. Laut meiner oberen Theorie ist das kein Wunder, entferne ich mich doch immer mehr von der Zielgruppe. Man wird ist alt.

Diese hat sich inzwischen weiter entwickelt, längst hat Instagram Facebook abgelöst [^4]. Seit einiger Zeit wird in fast allen Medien Snapchat als Thronfolger gehandelt[^5], zum Beispiel auch auf auf der RePublica, die gerade in Berlin zu Ende ging [^6].

Was ist Snapchat?

Snapchat ist ein kostenloser Instant-Messaging-Dienst zur Nutzung auf Smartphones und Tablets. Der Dienst ermöglicht es, Fotos an Freunde zu versenden, die nur eine bestimmte Anzahl von Sekunden sichtbar sind und sich dann selbst „zerstören“.[^7]. Gerade bei Jugendlichen ist es sehr beliebt [^8][^9].

Sinnvoll für die Unternehmeskommunikation?

Kommen wir aber zur Unternehmenskommunikation. Snapchat ist natürlich schon bei Firmen angekommen, längst haben Big Player wie Audi [^10] oder Sixt [^11] einen Snapchat-Account eingerichtet.

Müssen wir als Unternehmen also diesen angesprochenen Trends folgen, da sonst der Anschluss verloren geht? Besetzt die Konkurrenz dann diese aufstrebenden Märkte? Ziehen wir den Kürzeren, weil wir uns als Unternehmen zu spät auf neue Netzwerke fokussiert haben, andere Firmen haben schon eine uneinholbar große Community aufgebaut?

Nein. Einen Kanal zu bedienen nur weil es ihn gibt oder weil er gerade beliebt ist macht keinen Sinn, denn jedes Medium dient einem anderen Zweck.. Instagram ist zum Beispiel ein Medium, was auf visuelle Aspekte ausgelegt ist, genauso wie Pinterest. Wenn mein Produkt aber wenig visuelle Anreize bietet und selbst die Website weitgehend von Stock-Bildern lebt werden die optischen Anreize, die für Instagram oder Pinterest nötig sind, schnell ausgereizt sein. Oft fehlt auch das Geld oder die Akzeptanz im Unternehmen, um dauerhaft neues Bild- und Videomaterial C.I.-konform zu produzieren. Genau so muss auch jedes andere Netzwerk beleuchtet werden – macht es wirklich Sinn?

Des weiteren kostet jeder Kanal (monetäre und personelle) Ressourcen, die eventuell bei anderen Aufgaben (oder Bedienung anderer Kanäle) fehlen. Oft liegen Kanäle brach und Nachrichten werden spät bis gar nicht beantwortet, daraus resultiert ein negatives Image und Verlust von Reputation. Also: Lieber wenige Kanäle richtig bedienen, als viele halb.
Und wenn meine Zielgruppe nicht in diesem einen Medium zuhause ist, macht es noch weniger Sinn. Meine Zielgruppe sind die Entscheider von KMUs? Die wird man auf Snapchat wenig bis gar nicht finden.

Fazit

Es lohnt sich definitiv, einfach mal selber die APP zu installieren. Dann wird man feststellen, das es sich in erster Linie um einen Instant Messanger handelt. Ob die große, erhoffte Reichweite auch auf die eigene Unternehmenskommunikation zu transferieren ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Titelzitat von Walter Ulbricht, 1965

Quellen

1: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_mobilen_Instant-Messengern
2: http://www.statista.com/statistics/324794/mobile-messenger-app-reach/
3: http://www.mobile-zeitgeist.com/2015/03/11/studie-teens-als-indikator-fuer-das-medien-nutzungsverhalten-der-zukunft/
4: http://www.healthcaremarketing.eu/medien/detail.php?rubric=Medien&nr=36488
5: http://www.mac20.de/news/20160428-goodbye-facebook-snapchat-unter-jugendlichen-immer-beliebter/
6: https://twitter.com/tobiboing/status/727230884986904576
7: https://de.wikipedia.org/wiki/Snapchat
8: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/326736
9: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/460615/umfrage/snapchat-nutzer-anteil-unter-jugendlichen-nach-ausgewaehlten-laendern/
10: https://vimeo.com/92344799
11: http://www.horizont.net/marketing/nachrichten/Social-Media-Warum-Sixt-auf-Snapchat-setzt-136002

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